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Sollte man überhaupt daran denken, einen indischen Hund nach Europa zu holen?

Ab und zu werde ich gefragt, ob es denn nicht egoistisch sei, den Hund aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen. Schließlich gäbe es doch auch in unseren Tierheimen mehr als genug Hunde. Wenn ich mich in Hamburg für die Adoption eines Hundes entschieden hätte, wäre ich natürlich zuerst hier ins Tierheim gegangen. Es war aber eben eine Sache von Liebe – da fragt man nicht, ob man ein ähnliches Angebot auch billiger bekommt.

Außerdem: Die Lebensbedingungen für Straßen-und Strandhunde in Indien sind – nach allem, was ich gesehen, gelesen und gehört habe – richtig mies! Leute der Mittelschicht mögen Hunde, allerdings fast ausschließlich Rassehunde. Ich wurde immer wieder ziemlich konsterniert gefragt, warum ich denn „als reicher Europäer“ so einen Hund haben wolle… Man importiert lieber Huskies (!) aus Sibirien, als einen Straßenhund zu adoptieren.

In Kerala / Südindien werden Hunde systematisch eingefangen und getötet. Natürlich geht es Tieren in südeuropäischen Gefilden z.T. auch nicht gerade rosig. Aber sollte sich jemand, so wie es mir erging, in einen indischen Hund verlieben, tut er ihm bestimmt einen Riesengefallen, ihn mit zu sich nach Hause zu nehmen.

 

Was braucht ein Hund, um EU-Boden betreten zu dürfen?

Im Prinzip ist es ganz einfach: Der Hund braucht einen Mikrochip, um eindeutig identifizierbar zu sein, und eine Impfung gegen Tollwut.

Ob ein indischer Chip hier anerkannt wird, weiß ich leider nicht – um sicherzugehen, habe ich mir in Hamburg einen geben lassen und nach Indien mitgenommen. Dort hat ihn ein Tierarzt eingesetzt. Das war kein Problem. Übrigens kann man Chips sogar bei Amazon bestellen.

Tollwutimpfstoffe sind in Indien verfügbar. Nachdem das Tier dort geimpft wurde (möglicherweise nach einer zweiten Impfung, wenn man so viel Zeit hat), muss nach einem Monat Blut abgenommen und als Serum in ein von der EU zertifiziertes Labor geschickt werden. Dies testet es auf Antikörper – und stellt ein Zertifikat aus, wenn genug davon vorhanden sind.

Jetzt dauert es noch einmal 3 Monate (nach Blutabnahme!) – dann darf der Hund einreisen. In der Zeit ist KEINE Quarantäne oder Isolierung notwendig.

 

Der Tollwut-Antikörpertest und der Bluttransport

Ich werde häufig gefragt, ob es denn nicht ein solches Labor in Indien gebe: Leider, leider, nach allem, was ich weiß, gibt es das NICHT. Das Blutserum muss also irgendwie in ein deutsches Labor, das für den Test zugelassen ist. Bei mir war das IDEXX (www.idexx.de). Jeder Tierarzt wird Ihnen ein Labor in Ihrer Nähe nennen können.

Die Einfuhr einer Blutprobe ist generell legal. Nur sind Kurierdienste anscheinend oft nicht bereit, Blut zu transportieren. Der sicherste Weg ist daher, sie selbst im Gepäck zu transportieren – oder sie jemandem mitzugeben, der ohnehin von Indien nach Europa fliegt.

Wichtig ist, dass die Blutprobe eindeutig beschriftet ist, damit sie dem Hund zugeordnet werden kann. Gut sind Barcode-Aufkleber des Tierarztes oder notfalls Aufkleber mit der Mikrochip-Nummer (liegen dem Chip bei). Den Antrag für den Test gibt es beim Labor – ausgefüllt wird er vom indischen Tierarzt (Beispiel hier).

Der Test selbst dauert ca. eine Woche – dann bekommt man das schriftliche Ergebnis. Im günstigen Fall ist dieses Dokument die Eintrittskarte für Europa.

 

Das EU-Einreiseformular

Leider reicht das Testzertifikat für die Einreise nicht aus – die EU wäre nicht die EU, wenn sie dafür nicht ein schick kompliziertes Formular bereithalten würde. Hier können Sie es sich herunterladen. Nicht abschrecken lassen! Auf den ersten Blick sieht es völlig unverständlich aus – so schlimm ist es aber gar nicht. Wichtig ist, dass man die aktuelle Version verwendet – im Netz findet man nämlich auch ältere, die wohl nicht mehr gültig sind.

Wer muss dieses Formular ausfüllen? Die offizielle Antwort lautet: ein Amtstierarzt. Aber wer ist das in Indien? Nach langer Suche bin ich darauf gestoßen, dass es an den großen Flughäfen einen sogenannten Quarantine Officer gibt, der dafür zuständig ist. Bei uns war es ein Veterinär am Flughafen von Bangalore. Dort ist das Formular bekannt und wird gegen eine Gebühr ordnungsgemäß ausgefüllt.

 

Flüge nach Europa und innerhalb Indiens

Internationale Airlines nehmen Hunde, die zu groß für das Handgepäck sind, in einem klimatisierten Teil des Frachtraums mit. Bei der Lufthansa musste ich dafür 200€ (2013!) bezahlen. Der Hund reist in einer Transportbox, die von der IATA zugelassen sein muss. Wichtig ist, dass Wauwau aufrecht darin stehen und sich drehen kann. Er braucht einen Behälter für Wasser. Ich habe so eine Box in Indien gekauft, was fast problemlos war.

Bei der Lufthansa habe ich schon bei der Buchung den Tiertransport angemeldet – er wurde dann sofort schriftlich bestätigt. Infos vom Airport Frankfurt gibt es hier. Am Flughafen in Indien kann der Hund dann mit der Box aufgegeben werden.

Ob man dem Tier ein Beruhigungsmittel gibt oder nicht,  wird im Netz heiß diskutiert. Dagegen spricht angeblich, dass man die Wirkung der Droge unter dem niedrigen Luftdruck nicht abschätzen kann. Ich habe mich trotzdem für die Dröhnung entschieden, um Jacob ein bisschen von dem Horror zu ersparen. Meine Tierärztin gab mir das Mittel mit auf die Reise – ich kann es nur empfehlen.

Wenn man innerhalb Indiens fliegen muss (wir mussten von Kochi nach Bangalore), braucht hund dafür ein Gesundheitszeugnis, das jeder Tierarzt ausstellen kann (Beispiel hier).

 

Ganz wichtiges Thema: Parasiten und andere unerfreuliche Mitreisende!

Ich habe erst gelernt, als Jacob schon in Hamburg war, wie wichtig es ist, Hunde sehr genau auf Parasiten zu untersuchen. In südlichen Gefilden gibt es davon nämlich jede Menge! Dankenswerterweise hat meine Tierärztin mithilfe ihres Labors sehr genau geprüft, welche Krankheitserreger in Jacobs Heimat ebenfalls zu Hause sind. Dafür gibt es ganz spezifische Testprofile.

Hunde fallen nicht  unbedingt Futtermangel oder Gewalt zum Opfer – viele sterben an solchen fiesen Erregern! Sie zu uns zu holen ist nur der erste Teil der Rettungsaktion – der zweite ist der Gesundheitscheck, der wohl häufig nicht allzu ernst genommen wird. Mit schlimmen Folgen!

 

Haben Sie Fragen oder brauchen Hilfe?

Dann können Sie sich gern an mich wenden – obwohl ich natürlich kein Tierarzt bin und nur auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen kann.

Neben dieser Website gibt es noch eine Facebookseite für Ihre Fragen und Beiträge. Ich fände es schön, wenn Sie eigene Erfahrungen mit der Hundeeinreise dort mit anderen Menschen teilen mögen.